Es gibt Ideen, die so bescheuert sind, dass sich daraus Geniales entwickeln lässt.
1. Idee: Chatroom + Roulette
Das Prinzip ist einfach. Zig-Tausende besuchen Chatroulette.com und erhalten dort einen zufällig ausgewählten Chatpartner. Man betritt also einen kostenlosen Chatraum, in dem man mit fremden Menschen (oder eher Wesen) Videochatten kann. Wenn einem der Chatpartner nicht gefällt kann man das Roulette neu drehen und erhält innerhalb von Sekunden ein neues Gegenüber.
Die Chatregeln sind beinahe ebenso einfach:
• You have to be at least 16 years old to use our service
• Chatroulette does not tolerate broadcasting obscene, offending, pornographic material and we will have to block users who violate these rules from using our service
• Please use “Report inappropriate video” link to notify us about inappropriate content and we will take necessary steps
In wie weit sich das Prinzip der Selbstkontrolle durchführen lässt bleibt allerdings unklar. Ein 17-Jähriger hat sich den Spass ausgedacht und sich mit Sicherheit nicht erträumt welches Ausmaß seine Erfindung annehmen wird. Ein Blick auf das Alexa Pagerank zeigt den rasanten Aufstieg des Chatrooms. Die Kinderzimmerproduktion wird für die Kontrolle also recht bald Mittel und Wege finden müssen, damit der Chatroom nicht zu einem Roulette der Perversitäten mutiert.
Idee 2 resultiert aus der Frage “Was lässt sich nun interessantes mit Idee Nr. 1 anstellen?”
Da gibt Dir jemand die Gelegenheit dich per Zufall mit einer Vielzahl von Menschen zu präsentieren. Eine bestimmte Zielgruppe lässt sich so sicherlich nicht erreichen. Aber virales Marketing lässt sich so betreiben.
Faith No More nutzen Chatroulette um ein Konzert zu streamen. (link)
Und mit youtube als Multiplikator wird aus der einfachen Idee seine Chatpartner mit Musik zu unterhalten wahrscheinlich eine neue Welle lustiger Videos entstehen.
Hier zwei wunderbare Beispiele:
Original
Ben Folds
Kulturroulette – Von Allem geht mehr
Es liegt auf der Hand, dass diese Art zu chatten für Selbstdarsteller die ideale Plattform ist. Facebook ist zu diesem Zweck schon ganz gut geeignet. Statements, Fotos und Videos lassen hier der breiten Öffentlichkeit auf sehr einfache Weise zur Verfügung stellen. Twitter macht die Sache noch spannender. Zu Fremden hat man hier noch leichter Kontakt. Man ist recht schnell mit hunderten Fremden vernetzt und folgt ihren Gedanken, ihrer Arbeit, ihrem Leben. Sowohl Facebook als auch Twitter galten bisher als Echtzeit Dienste. Chatroulette bietet meiner Meinung nach das Maximum an Echtzeit Kommunikation unter Fremden. Allein durch die Zufallsauswahl wird der Kick größer. Die Möglichkeit per Zufall einem Fremden gegenüber zu sitzen scheint die Vollendung des Möglichen zu sein. Das erinnert stark an Speeddating. So ist es auch kein Wunder, dass der erste Sponsor von Chatroulette eine online Partnervermittlung ist.
Chatroulette überschreitet binnen Sekunden nationale und kulturelle Grenzen. Ohne Vorbereitung prallen hier Kulturen aufeinander. Was sich daraus entwickelt bleibt abzuwarten. Auf jeden Fall verspricht es spannend zu werden.
Ausblick
Will sich Chatroulette halten, muss es sich weiter entwickeln. Besonders die Finanzierung wird ein heikles Thema werden. Bezahlte Mitgliedschaften könnten die Lösung sein. Wer 2 Stunden lang sein Konzert streamen will, muss dann eben etwas zahlen. Wer das Konzert ohne Unterbrechung von Zuhause ansehen will zahlt und wer Cybersex will zahlt eben auch.
Alles ganz einfach.


